20 Jan

Lichtmess/ Imbolc

geschrieben von Tanja Dreeßen

Schon die alten Kelten feierten Anfang Februar ein Fest, um die Sonne zu begrüßen. Sie nannten es Imbolc, was soviel heißt wie „die Lämmer zum Säugen anlegen“, denn in dieser Zeit werden die ersten Lämmer geboren. Auch die Bedeutung „Schoß“ finden wir im Zusammenhang mit Imbolc und die Bedeutung „Rundumwaschung“ aus dem Irischen, was wiederum zum Monat Februar passt (lat. februare = reinigen). Man unterzog Kopf, Händen und Füßen eine besonders sorgfältige Reinigung. Es ist zudem ein Fest, um den Winter den Garaus zu machen und die Kelten feierten mit Feuern, die die Sonne erwecken sollten. 

lichtmess artikel 02Früher waren zu diesem Zeitpunkt die Vorräte oft verbraucht und trotz der Freude hieß es, sich noch zurückzuhalten. Die Fastenzeit war meist mehr Not als Tugend, das Immunsystem war durch Mangelernährung geschwächt. So können wir nachlesen, dass es für eine Hausfrau durchaus schwierig war für dieses Fest Butter und Milch bereit stellen zu können. Tröstend zeigte die Erde aber schon mit dem neugeborene Licht ihre Fruchtbarkeit an. Es wurde sich noch sehr um die Dinge im Haus gekümmert, es wurde genäht und repariert, das Haus wurde in Ordnung gebracht und geputzt, um sich darauf vorzubereiten, später wieder mit voller Kraft draußen arbeiten zu können. Mensch und Vieh wurden mit Reisigbüscheln aus Haselnuss-, Weiden- und Birkenzweigen abgestrichen. Die Räume wurden mit reinigenden Kräutern wie Wachholder geräuchert und es wurde auch orakelt, was die Zukunft bringt. 

Zu Imbolc erwacht der Götterbär und schaut aus seiner Höhle hervor, um zu sehen, ob die Sonne schon genug wärmende Kraft hat. Dieser Bär ist der junge Sonnenkönig unter dem Pelz verborgen. Den Bären kennen wir aus dem Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ und diese beiden Mädchen verkörpern die junge Göttin Brigid, den Übergang von der (weißen) kindlichen Jungfrau zur roten Frau. 
Und die alte Mutter, die dem Bären im Winter Zuflucht gewährte, ist die Erdenmutter, die Frau Holle. So haben die Märchen auf versteckte Weise das alte Kulturgut weitergetragen.

Imbolc/ Brigid ist also ein Schwellenfest: Vom Winter zum Frühling, von der schwarzen zur weißen Zeit, von der Dunkelheit ins Licht. 

Brigid, die irisch-keltische Göttin, wird auch als „die von einem Strahlenkranz“ Umgebene bezeichnet. Sie ist die Hüterin der heiligen Quelle und  der heiligen Flamme, gleichzeitig die Patronin der Poesie, der Heilkunst und des Schmiedefeuers. Sie bewachte an diesem Tag, oder besser in dieser Nacht, das heilige Feuer selbst, während es sonst von 19 Priesterinnen gehütet wurde. Heute sind es 19 Nonnen, die im Kloster der heiligen Brigitta leben und das ewige Licht hüten. 
Brigid`s feuriger Pfeil war sprichwörtlich der heiß ersehnte erste Frühlings-Sonnenstrahl, der die Erde wärmend traf. 

Im übertragenen Sinne traf der Feuerpfeil auch die Herzen, die ersten Frühlingsgefühle erwachten und vielleicht wurden aus diesem Grund auch Ehen auf Probe für ein Jahr geschlossen.

Wer hellsichtig genug war, konnte Brigid auf einem Hirsch reiten sehen, wie sie die Samen weckte und die Bäume wachrüttelte, sodass die Säfte wieder zu fließen begannen. 

Die Christen wollten auf dieses Fest auch nicht verzichten und tauften es in „Maria Lichtmess“ um. So ist das Neuentfachen des jungen Lichtes und die Lichtweihe am Lichtmess-Tag in ganz Europa noch im Brauchtum verankert und die Kerzenweihe überall bekannt. Die Kerzen beim Lichtmess-Tag sind Symbole für das göttliche Licht im Menschen und die kraftvolle Sonnenmacht. 

lichtmess artikel 01Wie übertragen wir das alte Wissen nun in unsere Zeit?

Es werden immer noch Kerzen geweiht. In manchen Gegenden werden brennende, geweihte Kerzen durch das ganze Haus getragen und das Feuer im Herd damit entzündet. 
Manche Bauern schütteln die Bäume, um sie aufzuwecken. Sie besuchen ihre Bienen, um ihnen die frohe Botschaft vom nahenden Frühling zu verkünden. Das Dreschen sollte in vielen Orten am Lichtmess-Tag beendet sein, denn man erwartet die Ankunft des Kornbärens, der die neue Fruchtbarkeit mitbringt. Es ist auch vielerorts immer noch ein Lostag, an dem das Orakel befragt wird. In irischen Kindergärten und Schulen hängen die Menschen aus Binsen geflochtene St.-Brigids-Kreuze auf und spielen Glücksspiele für einen Zukunftsblick. 

St.-Brigid`s-Lichterkränze mit 12 Kerzen versinnbildlichen das Licht der 12 Monate und die Erleuchtung. In der Steiermark wird das Lichtmessfeuer von einem Haus zum nächsten getragen oder eine Kerze auf dem Hausaltar angezündet. 

Wenn wir uns vor Augen halten, wie viel Energie es braucht, dass unsere Bäume wieder zu sprießen beginnen, oder die Blumen durch die Schneedecke ihren Weg finden können, ist das eine Erinnerung an Kraft und Lebenslust. Unter der Decke des Winters fangen die Keime an zu wachsen. Was zur Wintersonnenwende geboren wurde, festigt sich jetzt.

Wir können, genau wie der Dachs, das Murmeltier oder die Bärenmutter aus der schützenden Dunkelheit hinaustreten ins Licht und der Welt unser „Thema“, unser „Baby“ zeigen. 
Wir können mal richtig aufräumen,  uns von den Überbleibseln des Winters, innerlich und äußerlich, reinigen. Altes muss abgeworfen werden, damit Neues entstehen kann, dabei können wir räuchern. Auch für eine körperliche Entgiftungs- und Entschlackungskur ist dies ein guter Zeitpunkt. 
Es ist die Zeit der Inspiration, vielleicht möchten Sie Pläne zu schmieden? Worauf wollen Sie Ihr Licht scheinen lassen? 

Wir wünschen Ihnen ein inspirierendes, lichtvolles und freudiges Fest! 

Ihre Tanja Dreeßen (Heilpraktikerin für Psychotherapie)

 

Bild Schneeglöckchen @sunflair auf https://pixabay.com
Bild Kerze @JEEN-LAUY auf https://pixabay.com

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