21 Jun

Über europäische Wurzeln

geschrieben von Schamanisches Netzwerk Europa e.V.

Europa ist ein nicht nur ein politisches Gebilde, das sich langsam findet. Es ist auch ein sehr alter Kulturraum. Es ist richtig, dass sich auf diesem Boden grauenvolle Einflüsse für die ganze Welt entwickelt haben. Die Liste des Grauens reicht von missionarischen Kreuzzügen und Hexenverfolgung über Sklaverei und Kolonialismus bis hinein in die Zeiten von Umweltverschmutzung und Finanzkrise. Dieser Verantwortung den Völkern der Welt gegenüber, muss sich Europa stellen.

Doch Wahrheit hat viele Gesichter.

In Europa gibt es heute sehr erfolgreiche demokratische Lebensformen. Hier ist das Bewusstsein der Bevölkerung über die Notwendigkeit des Schutzes der Natur deutlich ausgeprägt. Bemühungen um nachhaltige Technologien werden hier gefördert. Europa verfügt über uralte Zeugnisse menschlichen Lebensgefühls in Form von Höhlenmalereien, Felszeichen und altgeschichtlichen Skulpturen. Jahrhunderte alte Kirchen, uralte Bäume und ein enormer Schatz an Gemälden und musikalischen Meisterwerken sind hier gewachsen.

Ebenso sind hier hohe Handwerkskünste zuhause. Es gibt einen Schatz an Brauchtum und traditionellem Wissen das nie aufgezeichnet wurde. Diese Werte machen die europäische Kultur sehr wertvoll. 

Weshalb ist es notwendig, verbunden mit unseren europäischen Wurzeln schamanisch zu arbeiten?

Schamanismus ist keine Technik. Es ist ein eigener Weg, in der Welt zu sein und zu gestalten. „Welt“ ist aber niemals abstrakt. Jede Kultur ist geistige Heimat. Ohne Heimat, ohne Ahnen ist schamanische Arbeit jeden kulturellen Kleides beraubt. Schamanismus ohne „Heimat“ ohne Kultur, ohne die Bereitschaft, der eigenen Gemeinschaft zu dienen, ist kein Haus, sondern nur ein Fachwerkgerüst, durch das der Wind weht.

Die Meinung, Europa hätte keine Wurzeln mehr ist weit verbreitet. Daraus erklärt sich die Bereitschaft, indigene Kulturen bei uns zu imitieren. Traditionelle Schamanen sind die ersten, die davor warnen. Wenn wir keine Wurzeln, auch keine Ahnen hätten, gäbe es uns jedoch nicht. Es ist nur schwer, unsere Wurzeln zu finden. Diese Aufgabe ist nicht von Einzelnen zu bewältigen. Wir können dazu nur in der Gemeinschaft arbeiten. (siehe Vereinsziele)

Vor uns Europäern liegt auch die Aufgabe, das alte schamanische Wissen in eine gegenwärtige Welt hinein zu übersetzten. Geschieht dies nicht, werden die Insignien dieser alten Kultur irgendwann in den Museen der Megastädte verstauben. Davor warnen traditionelle Schamanen. Schamanismus muss eine lebendige Entwicklung erfahren.

Ob uns das gefällt oder nicht, die Globalisierung der Welt schreitet voran. In dem wir unsere Aufgabe als Europäer verantwortlich für die Vergangenheit, wahrnehmen, können wir in Zusammenarbeit mit traditionellen Schaman/innen als Lehrenden, das „globale Dorf“ der Zukunft mit unserer Vision unterstützen.

Diese Vision enthält das alte Wissen in einer Form, die in einer zeitgenössischen Industriegesellschaft akzeptiert wird. Sie ist verbunden mit der spirituellen Erfahrung der festen Verbindung von innerer und äußerer Natur. Dazu gehört auch eine moderne, „grüne“ Technologie, die lösungsorientiert anwendbar ist. Teil dieser Vision ist auch ein friedliches Leben in einer Völkerfamilie, die allen das Recht auf ihre Eigenart gibt. Demokratische Lernprozesse auf allen Ebenen sind dafür unumgänglich.

Diese Gabe kann die europäische Kultur der Völkerfamilie anbieten, wenn wir aufrecht zu unserer Verantwortung und zur Schönheit unserer Wurzeln stehen.

Das ist der Hintergrund für die Notwendigkeit einer schamanischen Arbeit, die die Kultur Europas würdigt.

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