04 Feb

„Keltischer Druide als rechtsradikaler Gefährder festgenommen!“

geschrieben von Hildegard Fuhrberg

Diese allgegenwärtige Schlagzeile hat uns in den letzten Tagen alle verblüfft. Hatten wir nicht alle ein liebenswertes Bild dieser keltischen Weisen, das vielleicht an Mirakulix erinnert? Der festgenommene ältere Mann soll angeblich tatsächlich einen langen weißen Bart und lange weiße Kleider getragen haben. Aber es wurden auch Waffen, Munition und Sprengstoff gefunden. Zutaten für einen Zaubertrank sind das ganz sicher nicht. Seit etwa einem Jahr soll die Gruppe um diesen „Druiden“ Anschläge auf Juden, Asylbewerber und Polizisten ausgeheckt haben. 

In den sozialen Netzwerken konnte nachvollzogen werden, dass sie auch eine große Bedrohung durch Muslime festgestellt hatten.

Ein Druide macht sowas? Das macht nachdenklich.

Wenn dann im Kontext von spiritueller Arbeit gelegentlich von „Volksmedizin“ und „Brauchtum“ die Rede ist, klingt das auf einmal etwas schräg. Das Misstrauen ist da.
Wir vom Verein „schamanisches Netzwerk Europa“ begrüßen dieses Mißtrauen. Denn es gibt tatsächlich rechtslastig gesinnte Menschen in keltischen und germanischen Gruppen mit höchst unspirituellen Zielen. Auch im Bio Landbau gibt es Gruppen, die aus der Liebe zu Mutter Erde, die Treue zu Blut und Boden gemacht haben.
Es gibt also tatsächlich Grund zu Vorsicht.

Spiritualität ist nicht per se den „guten Menschen“ vorbehalten. Jeder kann dieses Firmenschild bei sich anbringen.

fuhrberg 07 02Wer aber genau hinschaut kann deutlich sehen, wo der entscheidende Unterschied liegt. Kelten und Germanen, das waren niemals eine geschlossene Bevölkerungsgruppe.
Es gab niemals ein keltisches oder ein germanisches „Volk“. Es gab damals nur eine Reihe von germanischen und keltischen Stämmen mit losen und zum Teil verfeindeten Verbindungen untereinander.
Das Wort „Volk“ ist sehr alt und meint einfach eine Menschenmenge mit Gemeinsamkeiten. Nur die Nazis haben den Begriff mit Blut und Rassenvorstellungen aufgeladen. Sie haben aber viele Elemente der deutschen Kultur für sich genutzt und heutige Funktionäre der neuen Rechten knüpfen gern daran an. „Wir sind das Volk“ behauptet eine kleine Minderheit, die einer rechten, sehr negativen Protestkultur huldigen. Aber das Volk, das sind wir alle! Das ist die ganze Bevölkerung und die hat die Volksmedizin hervorgebracht im Gegensatz zur akademischen Elitewissenschaft.
Volkslieder und Volksmärchen stehen im Gegensatz zu Opernarien und literarischen Novellen.

Das alles gehört mit zu unserem Brauchtum, dem überlieferten Erbe unserer Ahnen. Kulturelle Identität braucht aber Wurzeln in den eigenen Traditionen.

fuhrberg 07 01Es gibt eine gewisse Neigung diese okkupierten Worte heute gar nicht mehr zu benutzen. Aber dann hätten die NS Diebe bis heute gewonnen. Und wir hätten einen Teil unserer Geschichte verloren.
Ist ein wertschätzender Umgang mit Brauchtum nicht auch ein Grund, weshalb z.B. auf la Gomera die alte Pfeifsprache den Kindern wieder in der Schule beigebracht wird? Und das in Zeiten, in denen es Handys gibt? Brauchtum ist ein Teil der Seele unserer Kultur. Das gilt für alle Kulturen.
Sind wir bereit den Apfelbaum unserer Großmutter zu fällen, weil eine Zeitlang Nazis die Äpfel dort gepflückt und gestohlen haben?
Wollen wir nur noch labbrigen, weißen Industrietoast essen, um jeder fernen Möglichkeit vorzubeugen vielleicht doch womöglich Bio - Vollkornbrot von einem rechten Hof zu essen. Ist „Bio – Vollkornbrot“ jetzt neuerdings generell „rechts“? Wollen wir das?

Wir vom „Schamanischen Netzwerk Europa e.V.“ stehen dafür, das Erbe unserer Ahnen in vollem Umfang anzunehmen und zurück zu erobern. Wir sind bereit, die Lektionen der Geschichte bereitwillig zu übernehmen. Auch diese schwere Aufgabe ist Teil unseres Erbes. Wir sprechen uns deshalb aus für Respekt und Vielfalt. Und wir übernehmen das überlieferte Brauchtum wieder. Und wo nötig, überarbeiten wir es für den heutigen Zusammenhang.

fuhrberg 07 03Zum Schluß noch ein Wort zu Druiden

Wir haben nach Recherchen vor Ort guten Grund zur Annahme, dass es derzeit noch genau zwei alte, traditionelle Druiden in England und Irland gibt. Sie gingen noch den alten Weg. Jeder Ausbildungszyklus umfasst danach 19 Jahre und davon sind viele dieser Zyklen für den Titel „Druide“ erforderlich. Echte Druiden sind immer steinalt und haben eine lebenslange Schulung hinter sich. Ihre Botschaft ist immer Friede. Heute ist es leicht möglich in Wochenendfernlehrgängen „Druide“ zu werden. Das erklärt vielleicht auch, weshalb Stonehenge in England so ein beliebter „Druidentreff“ ist. Stonhenge wurde in der Steinzeit errichtet. Damals gab es noch keine Kelten. Es kann kein keltisches Heiligtum sein. Es ist nur eine Theaterkulisse für Keltentümelei und spirituell verbrämte Shows. Es ist halt nicht alles spirituelles Gold, was am „Druiden“ glänzt.

Abschließend sei deshalb auf eine uralte Volksweisheit verwiesen: „Hühnerarsch, sei wachsam!“ Und wir fügen noch hinzu, nicht nur im Umgang mit „spirituellen“ Gruppen, die uns vor „Bedrohungen“ durch Muslime und Juden mit Waffen retten möchten!

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