14 Jun

Sommersonnenwende

geschrieben von Tanja Dreeßen

Das Licht wächst jeden Tag ein Stück mehr, die Nacht wird immer kürzer, um den 21.06. herum hat die Sonne ihren höchsten Punkt erlangt und die Tage sind am längsten. Wir feiern die Sommersonnenwende.

Für unsere Vorfahren waren die Sonnenwendfeiern die größten und wichtigsten Feste des Jahres und Anlass tagelang zusammen zu verbringen. Es wurden Freundschaften erneuert, Streitigkeiten beigelegt und auch Handelsbeziehungen vertieft.

Die Feste hatten also auch neben dem spirituellen Aspekt eine große soziale Bedeutung und da das Sonnenwendfest aufgrund der langen Tage ausgiebig gefeiert wurde, war es sehr wichtig für die Vertiefung der Verbindungen in der Gemeinschaft.

Auch heute noch wird die „Sommersonnenwend“ oder Mittsommernacht mit viel Begeisterung gefeiert. In Skandinavien z.B. wird in den „weißen Nächten“ gern durchgemacht, die Familien feiern zusammen draußen und machen Picknick.

Es werden viele üppige Feste gefeiert, um sich mit der Natur zu verbinden und ihren freigiebigen Geschenken in Form von Obst und Gemüse oder der ersten Heuernte zu huldigen. Wir dürfen uns darüber freuen.

Am 24.06. ist Johanni, das von den Christen als das Fest der Geburt Johannes des Täufers gefeiert wird.
Wenn man am Abend vorher einen Strauß voller Kräuter, z.B. aus Johanniskraut, Schafgarbe, Frauenmantel, Sauerampfer und Haselzweigen sammelt, haben diese Kräuter besondere Heilkräfte. Wenn man sie ins Feuer wirft, segnen sie das Jahr und vertreiben böse Kräfte. Sie können auch getrocknet werden und im Haus oder im Stall aufgehängt gelten sie als Segen. Früher warf man ein Teil der Kräuter bei Gewitter vor Schutz gegen Blitzschlag gern ins Herdfeuer.

Die Feuer, die jetzt entzündet werden, dienen der Feier des prallen Lebens ebenso wie dem endgültigen Verbrennen und Loslassen alter nutzloser Dinge, die unser weiteres Wachstum nur bremsen. Schon früher wurden beim Holzsammeln verschiedene Sprüche und Lieder verwendet, die den Flammen dadurch mehr Kraft verliehen. So kann das Feuer auch symbolisch zum Abstreifen von Krankheiten genutzt werden. Dazu können Sie, wie früher, einen Sonnenwendgürtel flechten (z.B aus Beifuß, Eisenkraut und Wermut), damit über das Feuer springen und den Gürtel dann anschließend in die Flammen werfen.

Dieser Tag ist auch ein Tag der Umkehr, denn ab dem nächsten Tag werden die Tage schon wieder kürzer. Der Tag eignet sich daher möglicherweise gut für Entscheidungen: Was stimmt noch im Leben, was möchte verändert werden? Was gilt es zu verabschieden und loszulassen? Vom Jahreskreis aus gesehen ist es gerade eine Zeit des Wachstums und der Entfaltung. Jede Pflanze tut einfach, was in ihr steckt und auch wir können nicht verhindern, dass wir uns jeden Tag weiter entfalten, nichts bleibt je gleich und alles ist im Fluss. Aber wir können sehr bewusst unser Wachstum fördern und kraftvolle Entscheidungen treffen, wo die Reise hin gehen soll. So kann die Sommersonnenwende auch ein Fest der Umkehr sein. Wir können ein großes Feuer anzünden und uns über die Fülle und Pracht freuen und feiern.

Wir wünschen Ihnen ein ausgelassenes Fest!

Ihre Tanja Dreeßen (Heilpraktikerin für Psychotherapie)

 

Schwedischer midsommar (Gemälde von Anders Zorn 1897)
Anders Zorn - www.nationalmuseum.se