Kongress 2017: DIE KRAFT DER VIELEN / Wie schamanisches Wissen uns in der Gemeinschaft heilt

 

DIE KRAFT DER VIELEN

WIE SCHAMANISCHES WISSEN UNS IN DER GEMEINSCHAFT HEILT

SEPTEMBER 2017 auf der burg ludwigstein

 

Am mittlerweile dritten Kongress waren wieder ReferentInnen aus vielen europäischen Ländern zu Gast. Sie teilten mit uns ihr praktisches Wissen in Workshops und Vorträgen. So erhielten alle TeilnehmerInnen lebensnahe Impulse zur Heilung ihrer tiefen Sehnsucht nach Gemeinschaft. Verbunden mit schamanischem Wissen konnten wir gemeinsam Schritte auf dem Weg zur Lösung einer weit verbreiteten Zerrissenheit der modernen europäischen Gesellschaft gehen.
Als „special guests“ kamen GastreferentInnen aus Grönland, Island und Vertreter der Sami! Sie berichteten aus ihrem Leben und ihre, auch für uns relevante, Situation. Wir alle waren SchülerInnen und LehrerInnen zugleich. Der Klimawandel zeigt sich in Grönland sehr drastisch. Das Volk der Inuit, wie auch die Sami, wurden in wenigen Jahrzehnten gewaltsam von ihren uralten Traditionen getrennt und ihrer Existenzgrundlage beraubt. Sie wurden auf zeitgenössische europäische Werte eingeschworen. Die Inuit, die Sami und wir EuropäerInnen haben heute bei allen Unterschieden, aber auch Berührungspunkte in unseren Anliegen. Das Klima ist für uns alle ein großes gemeinsames Thema gewesen. Und wir sind wie sie daran interessiert, unsere unterdrückten alten Traditionen in einer modernen Welt neu zu finden und zu beleben.
„Schamanismus braucht Heimat, natürliche Mitwelt, Geborgenheit in einer vertrauten Gruppe. Schamanen sind niemals Einzelkämpfer. Wir Menschen sind in gewisser Weise von Haus aus „Herdentiere“. Da ist es mit Trommelreisen und Räuchern im stillen Kämmerlein nicht getan. Unsere Identität ist seit der Aufklärung immer individualistischer geworden. Wir haben mehr und mehr verlernt dieses für Menschen artgerechtes Leben zu führen. Suizidraten und Suchterkrankungsraten steigen, auch deswegen. Es fehlt schmerzlich an einer spirituellen Vision einer tragenden Gemeinschaft. Unser heutiges Gemeinschaftleben liegt als Kraftquelle siech darnieder.
Mit diesem Kongress wollten wir an tragfähigen Visionen arbeiten die erfahrbare Kraft der Gemeinschaft im Alltag wieder möglich machen. „Menschlicher Stallgeruch und echte Nähe“ kann die Lösung für Vereinsamung und Ausgrenzung sein. Auf diese Weise entsteht der Kontext für einen gelebten Schamanismus der das ist, was er immer war, ein Lebensweg voller Wissen.“

 

Wir blicken zurück!

Es waren mitreißende Tage voller Inspiration und intensiver Begegnungen. ReferentInnen aus Sapmi/ Schweden, Grönland, Niederlande, Spanien, Deutschland, Österreich, Island, Estland und Irland begegneten einer ebenso vielfältigen Schar von Teilnehmenden. Zuvor fand noch ein eintägiges Vortreffen statt, dass den ReferentInnen die Gelegenheit bot auf Tuchfühlung zu gehen. Auf diese Weise entstand der Team-Spirit, der die ganze Veranstaltung tragen sollte. 

Wir hörten Berichte von Frauen, die sich aufmachten neue Berufe zu begründen. Geburtshilfe und Sterbebegleitung sind solche Themen, die das dringend nötig machen. Wir hörten von der Kunst mit Bienen zu arbeiten und von ihnen über Gemeinschaft zu lernen. Wir arbeiteten mit dem Feuer, um eine Schale zu brennen und lernten zu träumen. Trommel- und Maskentanz aus Grönland schlug uns in den Bann und die wenig bekannte Kunst des estnischen Regilaulgesangs zeigte einen Weg in die Gemeinschaft.

Der Workshop über das Leben der Frauen auf der esthnischen Insel Kihnu, über die Form der kraftvollen Gemeinschaft dort, fand großes Interesse und lud auch noch zum Tanzen ein. Auch die samischen Joiks, eine Art Seelengesang, führte uns in das vielfach vermisste Gefühl der Geborgenheit in einer Gruppe.

Der Schatz der Ahnen, das alte Saatgut in unseren Händen, erfuhr eine große Aufwertung und es ist nun viel deutlicher, dass es unsere Aufgabe ist, die Bewahrung nicht den Konzernen zu überlassen. Wir hörten Gedanken und Vorschläge über Schwarmintelligenz und über ein aktives verantwortliches Bewusstsein unserer Spiritualität. Handgemachte irische Musik wurde mit der Magie und der Weisheit der alten Erzählkunst verbunden.

Auch Gedanken über Schamanismus und Christentum fanden viele InteressentInnen. Die Hamburger Hafenstraße als Modell, allzu berechtigte Fragen zur Organtransplantation und der Klimawandel wurden unter dem Thema „Gemeinschaft und Spiritualität hier und heute“ beleuchtet und mit lebbaren praktischen Ideen verbunden. Unsere grönländische Journalistin berichtete von grönländischen Spukgeschichten und ein Vortrag mit fantastischen Fotos über den Klimawandel hinterließ bleibende Eindrücke. Das Angebot war vielfältig und inspirierend. Es regte an zum mitdenken und handeln.

Ein bunter Markt mit Trommeln, Federn und Rasseln, kunstvollen Stöcken und zauberhaften Ostereiern und Schlangenkönigen, Filzkleidung, Lederarbeiten, Schmuck, Honig, Bienenwachs und Salben zog viele an. Aber es gab auch Abende am Feuer oder eine Jam Session mit Musik aus allen Ländern, die restlos begeisterte.

In einer bewegenden Abschlusszeremonie wurden von den Veranstalterinnen den Sami und den Inuit jeweils eine Trommel überreicht. Dies wurde verbunden mit der Bitte um Vergebung für die gewaltsamen Verbrechen der Europäer gegenüber diesen Völkern, die mit der Verbrennung ihrer Trommeln verbunden waren. Das war eindrucksvolle Friedensarbeit.

Der Kongress wirkt bei vielen, die da waren, immer noch nach. Wir bedanken uns bei allen, die ihren Teil zum Gelingen beigetragen haben.

Und wir sehen uns beim nächsten Kongress 2019!

 
programmheft HIER  ZUM DOWNLOADEN

 

VIDEO folgt in Kürze       ZUR FOTOGALERIE

 

Bild: Copyright: Schamanisches Netzwerk, pixabay.com