26 Okt

Samhain - Die Verbindung zur Anderswelt

geschrieben von Tanja Dreeßen

Samhain ist das Fest vom 31. Oktober auf den 1. November. Die KeltInnen nannten es das Totenfest. 

Im 16. Jahrhundert gedachten die Menschen des „All Hallows Eve“, des Abends vor dem Allerheiligentag. Daraus entstand der heutige Name „Halloween“.
Ursprünglich war das Fest ein flexibles Fest und wurde durch eine Mondphase oder durch ein Naturereignis angezeigt. Unsere Ahninnen und Ahnen mit ihrer starken Naturverbundenheit wussten wie sich die Energie dieses Festes anfühlt und achteten mehr auf Dinge, wie z.B. den ersten Frost, die letzten Blätter am Baum oder wann die Tiere ihren Winterschlaf begangen. Dann war es „Samhain“ und vermutlich dauerte dieses „Fest“ länger als einen Tag oder eine Nacht.

samhain 01 01Die Kelten hatten nur zwei Jahreshälften, das Sommerhalbjahr (Jahrestag) und das Winterhalbjahr (Jahresnacht). Und Samhain war der Beginn zur sogenannten Jahresnacht und somit der Silvester der Kelten. Samhain war ursprünglich kein Festtag, sondern eine feierliche Nacht am 31. Oktober. Das Wort „samhain" stammt aus dem irogälischen Kulturbereich. Es bedeutet einfach „Versammlung". In England ist der Name „Halloween" gebräuchlich der sich ableitet von „all Hallows eve", dem Abend aller Heiligen. Man könnte fast sagen, rein „zufällig" feiern die katholischen Christen genau zu dieser Zeit auch „Allerheiligen" und das Totengedenken „Allerseelen". 

Die Druiden legten in dieser Zeit den Grundstock für ein neues Jahr, indem sie die „Samen für den Hain, der einmal ein Wald werden soll“ setzten. 

Die Nacht zum ersten November symbolisierte den Übergang vom alten ins neue Jahr.

Wie sieht es nun bei uns aus?

Das Jahresrad hat sich weiter gedreht, jetzt geht alles ganz schnell, nur eine Nacht mit Frost und die Blätter dieses Jahres fallen von den Bäumen. Wir können beim Spaziergang im Wald mit jedem Schritt das Rascheln des bunten Herbstlaubes hören. Nur wenige Blumen überdauern die kalten Nächte, das Gras wächst nicht mehr. Die Tage werden nun bis zur Wintersonnenwende immer kürzer, die Sonnenkraft hat sich weitgehend zurückgezogen und wir begrüßen bald Herbststürme, Novembernebel und Frostgeister.

Die Zeit der langen Nächte hat begonnen, wir suchen wieder mehr Schutz und Wärme in den Häusern und Wohnungen. Die Energie geht nach innen. Das Vieh wird von den Weiden in die Ställe getrieben. Es ist häufig die Zeit, in der wir uns mit der Vergänglichkeit, dem Abschiednehmen, Sterben und dem Loslassen beschäftigen.
An Allerheiligen und Totensonntag gedenken wir den Verstorbenen und es werden die Friedhöfe besucht und die Gräber geschmückt.

Diese Jahreszeit konfrontiert uns auch durch die Natur regelmäßig mit der Kraft und Gewalt des Sterbens. Jedes Jahr zu dieser Zeit sehen wir die Pflanzen vergehen, die wir vorher im Rahmen unserer Jahreskreisfeste genossen haben, die unsere Lehrer waren und als Unterstützer bei Krankheiten dienten. Wir erleben das Aufblühen und Vergehen in der Natur.

So lernen wir, Lebendiges wieder gehen zu lassen und den Tod als Teil des Naturzyklus zu begreifen.

samhain 01 02In geheimnisvoller, unsichtbarer Weise geht das Leben in der Natur aber auch weiter: Viele Wildtiere sind trächtig, Samen und Knollen liegen in der Erde.
Während die Natur äußerlich ganz ruhig und karg wirkt, entsteht in der Tiefe der Samen und in Keimzellen neues Leben für das neue Jahr.

Dieses Fest eignet sich zur Verbindung mit der „Anderswelt“, denn man sagt, dass die Schleier sich lüften und alle Menschen, nicht nur die Geübten, mit ihren Ahninnen und Ahnen leichter in Kontakt treten können. Es heißt, dass sich in dieser Ritualnacht Risse im Raum-Zeit-Gefüge bilden und dass uns die Wesen der Anderswelt ein Stück entgegenkommen, da sie selbst den Kontakt wünschen. In dieser Nacht sind unsere Ahnen und Feen mitten unter uns. Es wurde ein rituelles Feuer entzündet von dem alle Häuser etwas Glut für den eigenen Herd mitnahmen. In dieser Nacht wurde geweissagt und es wurden Streiche gespielt. Der bekannte, leuchtende Kürbisgeist war früher eine ausgehöhlte Rübe, da aber das Schnitzen mit Kürbissen einfacher geht wurden sie allmählich durch Kürbisse ersetzt. Die Fratzen sollten, genau wie unheimlicher Lärm, die feindlich gesinnten Geister abschrecken.

Von unseren Ahnen, von denen, die vorausgefahren sind, können wir viel lernen und sie dankbar als Unterstützer in unser Leben integrieren.

Man glaubte früher, dass die Toten an diesem Abend die Erlaubnis hätten, an den Ort ihres früheren Lebens zurückzukehren. Es wurden sogar Fährten aus Mehl von den Gräbern bis in die Häuser gelegt, damit die Seelen den Weg finden.

So können wir auch unseren „Vorgefahrenen“ zu dieser Zeit Fragen stellen und ihren Segen erbeten. Wir können diese liebende Verbindung nutzen und die Angehörigen, die auch in unseren Erinnerungen und durch das, was sie uns mitgegeben haben, weiterleben, in unser Leben integrieren. Wir können uns so miteinander verbinden und die Präsenz der Vorfahren spüren, anstatt uns von ihnen getrennt zu erleben. Wir können Bilder von ihnen aufstellen, uns gegenseitig Geschichten unserer Ahnen erzählen und Gerichte kochen, die unseren Verstorbenen geschmeckt haben.

Nutzen wir auch die Chance, Altes gehen zu lassen, um Platz für Neues zu schaffen.

Eine Pflanze, die gut geeignet ist Samhain zu verkörpern, ist der der Holunder, der als heiliger Baum bekannt ist. Der Saft der gekochten Beeren ist sehr heilsam und der Holunder ist der Frau Holle heilig, der großen Göttin des Lebens und des Todes. Und im Holunder hausen die guten Hausgeister, die die Bewohner des Hauses vor Schaden schützen.

Wir können mit einem Schluck Holunderlikör oder Holundersaft diesen besonderen Abend und die Ahnen und unsere Herkunft würdigen, das alte Jahr beenden und schon den Samen für das neue Jahr säen. Die Nacht ist auch bestens zum Orakeln geeignet.

Es macht Spaß mit Kindern einen „Kürbisgeist" herzustellen und ein Feuer zu machen. Wenn Kinder Spaß haben, sich als Skelett zu verkleiden, dann ist das eine gute Idee. Alle Kinder in Mexiko machen das genauso. Sie haben noch nicht die belastenden Assoziationen von Erwachsenen dazu. Tod ist noch ein Spiel für sie und braucht nicht tabuisiert zu werden. Dazu können Märchen erzählt werden die davon handeln wie verstorbene Ahnen ihre Nachfahren unterstützen. „Aschenputtel" eignet sich dafür gut.

Wir können einen Ahnenaltar aufbauen und ein Ahnenessen kochen um sie zu ehren. Was schmeckte unseren Vorfahren eigentlich? Nachforschungen dazu können großen Spaß machen. Jetzt ist auch der rechte Zeitpunkt um den Ahnen unsere Lebensprojekte vorzustellen und sie um ihren Segen dafür zu bitten. Und sollten wir keine nennenswerten Projekte im Leben haben, dann können wir die Ahnen bitten uns beim Finden solcher Ideen tatkräftig zu unterstützen. Wir brauchen Träume die wir ins Leben bringen können.

Und wenn die kleinen Geister an unsere Tür klopfen und um Süßes oder Saures bitten, können wir auch von SAMHAIN erzählen.

Wir wünschen Ihnen gute Verbundenheit und ein schönes Fest,

Ihre Tanja Dreeßen (Heilpraktikerin für Psychotherapie)

 

Bild Allerheiligen @goszka auf https://pixabay.com
Bild Halloween @ artsmile auf https://pixabay.com
Bild Blätter @ MorningbirdPhoto auf https://pixabay.com

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